7.3.3 Die Ergebnisse
Die Art der äußeren Gestaltung der Drachen entsprach den Kategorien, die wir im Rahmen unseres Streifzuges durch Kunst- und Kulturgeschichte erarbeitet hatten: Rot-, Blau- und Grüntöne repräsentierten in den Beschreibungen der Schüler die Grundelemente des Lebens (vgl. 2.1.3). Die Kenntnis des kulturgeschichtlichen Hintergrundes übertrugen die Schüler auf die eigene Arbeit; die farbliche Gestaltung zeigt z. B. die Loslösung von der verbreiteten und anfangs auch von den Schülern geäußerten Vorstellung, ein Drache müsse grün sein. Die breite Palette in der farblichen Gestaltung der Drachen deute ich als Indiz für einen Lernzuwachs - die theoretische Auseinandersetzung führte zu einer Erweiterung individueller Vorstellungen und der Umsetzung im konkreten Handeln. Übereinstimmend in allen Gruppen war die Zuordnung einer positiven Bedeutung.
Gruppe 2: Klaus stellt den Drachen vor:
"Unser Drache ist ein Flugdrache und hört auf den Namen Spike. Er ist Herrscher der Lüfte und auf seinem gewaltigen Körper spiegeln sich alle Farben des Himmels. Ist er zufrieden und hat gute Laune, dann scheint die Sonne und seine Haut strahlt blau. Wenn er aber zornig ist, überwiegen dunkle Grau- und Blautöne. Durch seine Farben tarnt er sich auch, um am Himmel nicht entdeckt zu werden.
Spike ist ein Beschützer Japans. Lange war er versteinert, bis die Menschen ihn eines Tages brauchten: Fremde kamen in das Land und steckten ein kleines Dorf in Brand. Spike erwachte aus der Versteinerung und kam mit Stürmen und Regenwolken. Er verjagte die Fremden damit und löschte das Feuer. Obwohl das Dorf völlig vernichtet war, ließen sich die Bürger nicht unterkriegen - sie bauten das Dorf neu auf. Spike versprach, das Dorf künftig vor Unheil zu bewahren."
Der Körper des Drachen hat eine glatte, windschnittige Form; nur wenige Details wie z. B. die Augen wurden zusätzlich angefügt. Im Vergleich zu allen anderen Drachen ist das Maul geschlossen; es ist spitz und wird dem Namen des Drachen in vollkommen gerecht; gefletschte Zähne sind aufgemalt. Der Drache hat Ohren, jedoch kein Horn und keine Nüstern. Die grobe Struktur des Drachen ist dreigliedrig: Kopf und Hals sind aus einem Stück Draht geformt und an den Körper des Drachen angefügt, ein Schwanz ist hinten angesetzt. Ein Flügelpaar ist oben am Rücken aufge-setzt. Vorder- und Hinterbeine spreizt der Drache raumgreifend von sich, er kann darauf nicht stehen. Der Drache misst von der Spitze seines Mauls bis zur Schwanzspitze 2,42 m - er ist damit der längste der Drachen. Die Spannweite seiner Flügel beträgt 1m.
Für den Drachen ist eine Aufhängung vorgesehen, die ihn in der Luft schweben lässt. Die Rundumgestaltung mit ineinander fließenden Blautönen entspricht dieser Absicht.
"Spike"
Gruppe 3: Toni berichtet:
"Unser Drache hat den Namen Tourok. Er lebt in einer Höhle und kann durch seine beiden Flügelpaare sehr gut fliegen und lautlos durch die Luft gleiten. Tourok hat Kiemen, mit denen er auch unter Wasser atmen und tauchen kann. Seine Farben tarnen ihn dabei. Sein goldenes Horn verleiht ihm Zauberkräfte: Er kann sich damit unsichtbar machen und Blitze und Strudel erzeugen. Wenn er sich bedroht füllt, kann er sehr gefährlich sein, aber er ist kein böser Drache.
"Tourok"Das Grundgerüst des Drachen ist dreigliedrig gebaut: Kopf und Hals aus sind einem Stück Draht geformt, Rumpf und Schwanz sind angefügt. Der Unterkiefer ist extra angesetzt; durch das ausgeprägte, kräftige Kinn mutet der Drachenkopf raubtierähnlich an. Auch Augenhöhlen, Ohren, eine Zunge und ein Horn sind aus Drahtteilen extra geformt. In den Augenhöhlen sind als Augen Überraschungseierhälften eingesetzt. Die vorderen Gliedmaßen des Drachen teilen sich am Ende; dadurch entsteht optisch die Wirkung von Krallen. Als besonderes Merkmal weist der Drache zwei Flügelpaare auf. Er hat eine Gesamtlänge von 2,25 m, seine Spannweite beträgt 84 cm.
Die Gruppe versuchte anfangs, die Schwerkraft bei der stehenden Figur durch Gewichte (Drahtreste) im Schwanz zu verlagern; später erkannten die Schüler den Reiz des vornübergebeugten Drachen und entfernten die Gewichte wieder. Bei der farblichen Gestaltung herrscht am Rumpf ein ungemischter dunkler Grünton vor; ein Zickzackmuster auf seinem Rücken, sowie aufgemalte Kiemen sind in einem dunklen Blauton gehalten, welcher auch die Farbe des Schwanzes und des Kopfes über-wiegend bestimmt. Beim Streifenmuster der Flügelpaare überwiegt hinten grün und vorne blau. Augen und das Innere des Mauls sind leuchtend rot, zwei extra angesetzte, spitze Zähne heben sich weiß ab. Das Horn des Drachen ist mit einer Goldfolie umhüllt.
Gruppe 4: Simone erzählt:
"Das ist Fuego, der Drache des Feuers. Er kam aus der Hölle hoch in die Welt; hier sollte er gute Taten vollbringen, um nach 1000 Jahren in den Himmel zu kommen.
Eines Tages kam er in eine sehr arme Stadt, in der die Menschen hungerten. Der Drache brachte den Menschen Brot, welches er für sie buk. Bald merkte er, dass das Feuer ihm selber nichts anhaben konnte - seine Haut hatte die Farben des Feuers angenommen und schützte ihn.
Von nun an rettete er auch Menschen, die in brennenden Häusern von einem Feuer eingeschlossen waren.
Fuego gefiel es, Menschen zu retten. Auch als die 1000 Jahre um waren, kehrte er nicht in den Himmel zurück, sondern blieb auf der Erde, um weiterhin den Menschen zu helfen."
"Fuego"
Der Drache ist viergliedrig gebaut: Kopf, Hals, Rumpf und Schwanz sind aus verschiedenen Drahtteilen geformt und zusammengefügt; das aufgerissene Maul mit der herausgestreckten Zunge verleiht dem Drachen ein bedrohliches Aussehen. Extra angefügt sind ein Paar Ohren, Augen-höhlen mit Augen (s. o.) und das Horn im Kopfbereich sowie ein paar Flügel und vier Gliedmaßen am Rumpf. Der Drache steht auf seinen Hinterbeinen, aufgerichtet ist er 90 cm hoch. Der Drache misst insgesamt 1,95 m und hat durch seine ausgebreiteten Flügel eine Spannweite von 95 cm. Die Oberfläche ist mit einem ungleichmäßigen Muster ineinander verschlungener Rot- und Gelbtöne gestaltet, teilweise wird dadurch die organische Form des Drachen betont. Die Musterung läuft zur des Unterseite des Körpers sowie an den Beinen aus und geht in eine große Farbfläche über.
8 Schlusswort
Das Rahmenziel des Unterrichtsvorhabens ist erreicht worden, was sich einerseits in den entstandenen Produkten wie Drachenplastiken, Erfahrungsberichten, Dokumentationen usw. widerspiegelt und was andererseits für mich in den Verhaltensweisen der Schüler ablesbar wurde. Es ist einer Mehrzahl der Schüler gelungen, sich im Verlaufe der Arbeit am Produkt von mir in meiner zentralen Lehrerrolle zu lösen und zunehmend selbständig kooperativ miteinander zu arbeiten - ich habe die Arbeit der Schüler beratend begleitet. Obwohl der BK-Unterricht in seiner Produktorientiertheit naturgemäß durch handlungsorientierte Lernformen geprägt ist, hat mir die Ausrichtung auf Prinzipien des projektorientierten Arbeitens Steigerungsmöglichkeiten aufgezeigt. Bei Gruppe 2 habe ich mit meinem Blick auf ein vorzeigbares Endprodukt häufig dem Gefühl, antreiben zu müssen, nachgegeben; ich meine, in dieser Gruppe zu sehr die Entscheidungen gesteuert und den Handlungsfreiraum der Schüler dadurch eingeschränkt zu haben (vgl. dazu 5.1.5). Dies erklärt m. E. auch die anfänglichen Identifikationsprobleme der Schüler mit ihrem Objekt. Doch gerade meine Erfahrungen mit dieser Gruppe haben mir wichtige Ansätze für meine persönliche Weiterentwicklung als Lehrerin verdeutlicht. Insgesamt jedoch bekräftigen der Gesamtverlauf und die differenzierten Ergebnisse m. E. den Erfolg des Vorhabens. Die Schüler arbeiteten über einen langen Zeitraum intensiv und hoch motiviert mit, aufgrund intrinsischer Motivation um der Sache selbst willen; dass sie ihre gelungenen Ergebnisse weit gehend auf selbständige Entscheidungen zurückführen können, hat sie in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt und ihnen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gegeben, hier allen voran den schwächeren oder problematischen Schülern. Die komplementäre Unterrichtsstruktur erwies sich für das komplexe Vorhaben als besonders geeignet, da durch die lehrgangsmäßigen Sequenzen die Schüler in die Lage waren, kreative Gestaltungsfreiräume im Sinne des Unterrichtsziels zu nutzen.
Der immense Zeit- und Arbeitsaufwand wurde durch die Vielzahl positiver Erfahrungen kompensiert: Durch das vertrauensvolle und partner-schaftliche Miteinander mit den Schülern und der Schüler untereinander; durch die Bereitschaft vieler Schüler nach "Feierabend" noch weiter zu arbeiten; durch das Kollegium; welches die Arbeit der Gruppe unter-stützte, indem zusätzliche Stunden zur Verfügung gestellt wurden; durch das Interesse, welches an unserer Arbeit gezeigt wurde und letztlich durch die Ergebnisse, die meine Erwartungen übertroffen haben.
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oder zur Drachenausstellung