„Bummel durch Europa“


Schülerinnen und Schüler wandeln auf den Spuren Mark Twains quer durch Europa


Am Montag, dem 24. März 2014, war es endlich so weit. Sechs Wochen hatten die 46 Schülerinnen und Schüler der Klassen 6a und 6b der Mark-Twain-Grundschule in Reinickendorf gemeinsam mit ihren Klassenlehrerinnen Fr. Enderlein und Fr. Kunze sowie den beiden freiberuflichen Theaterpädagoginnen Stefanie Dorr und Ute Zimmermanns im Rahmen des Deutschunterrichts für ihren großen Auftritt geprobt. Nun sollte es endlich losgehen. Die Mädchen und J
ungen hatten sich in verschiedenen Räumen, auf den Treppenstufen im Treppenhaus, auf dem Flur und in der Aula des roten Schulhauses positioniert. Hier warteten sie auf die Eltern und Geschwister, die sich als Reiseteilnehmer in einer von vier Reisegruppen auf die 45-minütigen Europa-Reise begaben. Ausgangspunkt der Entdeckungsreise war der Wartesaal, das umfunktionierte Foyer des Schulgebäudes.



Das Theaterprojekt „Bummel durch Europa“ zeigte acht Stationen einer Reise Mark Twains und seines Freundes Mr. Harris. Dazu schlüpften die Schülerinnen und Schüler in die Rolle des Schriftstellers und seines Begleiters. Die Theaterpädagoginnen Stefanie Dorr und Ute Zimmermanns hatten die Szenen „Ankunft in Hamburg – Besuch in Frankfurt am Main“, „Der Versuch zu schlafen“, „Floßfahrt auf dem Neckar“, „Heidelberger Studentenleben“, „Loreley“, „Italien“, „Burgbelagerung“ und „Das französische Duell“ exempl
arisch aus dem gleichnamigen Reisebericht Twains aus dem Jahr 1878 für das Projekt ausgewählt. Von der Idee bis zur Umsetzung vergingen fast drei Jahre.






Mark Twain interessierte sich zeitlebens für die unterschiedlichen Landschaften, die Menschen, ihre Eigenheiten und ihre Geschichten. Das kam in den dargestellten Szenen gut zum Ausdruck. Gemeinsam mit „Mark Twain“ bestaunten die Reisenden beispielsweise das Heidelberger Studentenleben und dessen Gepflogenheiten zur damaligen Zeit.



Während der Fahrt auf dem Rhein in der Szene „Loreley“ erinnerten sich die Reisenden bei den Worten „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten ...“ an das von Heinrich Heine verfasste Gedicht über die Loreley.



In Frankreich erlebte der abenteuerlustige Mark Twain die Gefähr-lichkeit eines Duells. Er verletzte sich und bekam schließlich das Kreuz der Ehrenlegion verliehen.



„Das Buch wurde von den Schülerinnen und Schülern nicht gelesen. Sie kannten es gar nicht. Aber Mark Twain als Autor war ihnen schon ein Begriff“, berichtet Stefanie Dorr. Die Szenen wurden von den Theaterpädagoginnen vorgegeben, ebenso wie der Text. Von den Kindern kamen die Requisiten und Kostüme.


„In den sechs Projektwochen gab es jede Woche einen Projekttag, an dem wir drei Stunden übten“, erzählt Fr. Enderlein. „Wir kamen über die Bewegung zum Text“, ergänzt Stefanie Dorr.

„Bewegung und Gefühle standen im Vordergrund. Wie fühle ich was und wie bewege ich mich dazu? In den ersten drei Wochen übten wir nur die Bewegung in den Szenen, der Text kam erst später.“ Die Nachwuchsschauspieler konnten sich eine der Szenen aussuchen. „Und viele wussten, was sie machen wollten. So fand jeder seinen Platz“, so Dorr. An den Proben waren alle 46 Schülerinnen und Schüler beteiligt. Zunächst probte jede Klasse für sich, zuletzt beide Klassen gemeinsam. „Eine große Umstellung für die Mädchen und Jungen war letztendlich der Wechsel von den Proben im Klassenraum zu den Räumlichkeiten der Generalprobe im roten Haus“, sagt Fr. Enderlein. Ihre Kollegin Fr. Kunze, die beiden Theaterpädagoginnen Stefanie Dorr und Ute Zimmenmanns und sie waren mit dem Erfolg des Theaterprojekts zufrieden. Und die Schülerinnen und Schüler?


Den Mädchen und Jungen gefiel das Theaterprojekt. Sie engagierten sich mit Begeisterung für ihre Rolle - unabhängig davon, ob sie als Schauspielerin oder Schauspieler in einer der verschiedenen Szenen mitwirkten oder als Empfangsdame im Wartesaal in Erscheinung traten.

„Das Theaterprojekt war sehr interessant, weil ich hier Sachen ausprobieren konnte, die wir vorher nicht gemacht haben“,erklärt Hristiyana. Sie spielte Mark Twain in der zweiten Szene „Der Versuch zu schlafen“. „Ich konnte verschiedene Gefühle zeigen - im Gesicht, aber auch in der Körperbewegung. Dabei war es interessant zu erfahren, wie man auch ohne Text schauspielern kann. Ich habe gemerkt, dass das Schauspielern gar nicht so leicht ist, wie es aussieht, und entdeckt, dass ich mich verändern kann. Ich habe gemerkt, wie ich aussehe, wenn ich aggressiv, traurig oder aufgeregt bin“, sagt sie und lächelt. Und ergänzt: „Ich würde gern an weiteren Theaterprojekten mitarbeiten.“


Ben, der einen Straßenkünstler in der Szene „Italien“ mimte, fasst seine Erfahrungen so zusammen: „Mir hat das Projekt sehr gefallen! Es hat viel Spaß gemacht! Am Anfang stand die Bewegung, dann folgten richtige Theaterproben. Wir sollten uns anfangs eine Geschichte zum Thema Reisen ausdenken und diese dann zunächst in einer kleinen Gruppe spielen. Dabei habe ich entdeckt, dass mir das Schreiben von Geschichten viel Spaß macht. Danach bekamen wir eine Geschichte vorgelesen, die wir nachspielen sollten. Ich wollte den Straßenkünstler in der „Italien“-Szene spielen.“


Und auch Blanka vom Empfang im Wartesaal gefielt das Projekt. „Es hat Spaß gemacht!“, sagt sie. „Es gab immer etwas zu tun – Einladungen entwerfen, Requisiten selbst organisieren oder basteln, ... Es war viel Arbeit. Wir haben aber aufeinander geachtet und im Team gearbeitet. Die Teamarbeit hat sich dadurch verbessert, war aber vorher auch schon gut. Ich würde auf jeden Fall wieder mitmachen.“


Realisiert wurde das Theaterprojekt „Bummel durch Europa“ mit der Unterstützung des Bezirksamtes Berlin-Reinickendorf, Abteilung Schule, Bildung und Kultur, Fachbereich Kunst und Geschichte im Rahmen des Berliner Projektfonds „Kulturelle Bildung“.


Bericht + Fotos: Katrin Fandrich

 
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